{"id":1904,"date":"2017-02-15T13:47:44","date_gmt":"2017-02-15T13:47:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.eaid-berlin.de\/?p=1632"},"modified":"2017-02-15T13:47:44","modified_gmt":"2017-02-15T13:47:44","slug":"fuehrt-das-fehlen-von-dateianordnungen-beim-bnd-zur-rechtswidrigkeit-der-datenverarbeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kai-wittenburg.de\/?p=1904","title":{"rendered":"F\u00fchrt das Fehlen von Dateianordnungen beim BND zur Rechtswidrigkeit der Datenverarbeitung?"},"content":{"rendered":"<p>In der 130. Sitzung des NSA-Untersuchungsausschusses des Deutschen Bundestags am 15.2.2017 ist die Frage angesprochen worden, wie das Fehlen einer im BND-Gesetz vorgesehenen Dateianordnung zu bewerten sei. Der Bundestagsabgeordnete Schipanski wird in einem <a href=\"https:\/\/netzpolitik.org\/2017\/live-blog-aus-dem-geheimdienst-untersuchungsausschuss-klaus-dieter-fritsche-und-peter-altmaier\/\" >Beitrag des Blogs Netzpolitik<\/a> mit der Aussage zitiert, ich h\u00e4tte als ehemaliger Bundesbeauftragter f\u00fcr den Datenschutz die Auffassung vertreten, dass es sich beim Fehlen einer Dateianordnung blo\u00df um einen &#8222;formalen&#8220; Gesetzesversto\u00df handele, der keine materielle Rechtswidrigkeit der Datei zur Folge habe.<\/p>\n<p>Richtig ist: Nicht jeder Versto\u00df gegen Verfahrensvorschriften des Datenschutzrechts f\u00fchrt automatisch zur Rechtswidrigkeit der entsprechenden Datei. Aus einem fahrl\u00e4ssigen \u201eVers\u00e4umen\u201c einer gesetzlich vorgesehenen Verpflichtung allein ergibt sich nicht zwingend eine L\u00f6schungsverpflichtung der betreffenden Daten. Anders sieht es aber aus, wenn eine Dateianordnung &#8211; und damit auch die Meldung gegen\u00fcber dem\/der Bundesdatenschutzbeauftragten willentlich oder sogar systematisch unterbleibt und somit eine datenschutzrechtliche Pr\u00fcfung der Datei nicht m\u00f6glich ist. Zudem muss ber\u00fccksichtigt werden, dass die Dateianordnung, die von der zust\u00e4ndigen Fachaufsicht (beim BND \u00fcbt das Bundeskanzleramt diese Funktion aus) zu genehmigen ist, die Zwecke der Verarbeitung und die Voraussetzungen der Speicherung, \u00dcbermittlung und Nutzung (betroffener Personenkreis, Arten der Daten) festzulegen hat. Ohne Dateianordnung fehlen diese zentralen verfahrensrechtlichen Sicherungen.<\/p>\n<p>Eine solche Praxis &#8211; die es offenbar gegeben hat &#8211; ist nicht nur als \u201eminder schwerer\u201c Formalversto\u00df zu bewerten, sondern als Aushebelung der unabh\u00e4ngigen Datenschutzkontrolle, die vom Bundesverfassungsgericht in seiner Rechtsprechung seit dem Volksz\u00e4hlungsurteil von 1983 als unabdingbar f\u00fcr die Wahrung der Grundrechte angesehen wird.<\/p>\n<p>Das BVerfG f\u00fchrt dazu in Rz. 207 des <a href=\"https:\/\/www.bundesverfassungsgericht.de\/SharedDocs\/Entscheidungen\/DE\/2013\/04\/rs20130424_1bvr121507.html\" >Urteils des Ersten Senats vom 24. April 2013 &#8211; 1 BvR 1215\/07 <\/a>-(\u201eAntiterrordatei\u201c) aus:<\/p>\n<blockquote>\n<p>&#8222;Die aufsichtliche Kontrolle flankiert die subjektivrechtliche Kontrolle durch die Gerichte objektivrechtlich. Sie dient &#8211; neben administrativen Zwecken &#8211; der Gew\u00e4hrleistung der Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit der Verwaltung insgesamt und schlie\u00dft dabei den Schutz der subjektiven Rechte der Betroffenen ein. Dass auch Anforderungen an die aufsichtliche Kontrolle zu den Voraussetzungen einer verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigen Ausgestaltung der Datenverarbeitung geh\u00f6ren k\u00f6nnen (vgl. BVerfGE 100, 313 &lt;361&gt; unter Verweis auf BVerfGE 30, 1 &lt;23 f., 30 f.&gt;; 65, 1 &lt;46&gt;; 67, 157 &lt;185&gt;), tr\u00e4gt dem Umstand Rechnung, dass es sich bei der Speicherung und Verarbeitung von Daten um Eingriffe handelt, die f\u00fcr die Betreffenden oftmals nicht unmittelbar wahrnehmbar sind und deren freiheitsgef\u00e4hrdende Bedeutung vielfach nur mittelbar oder erst sp\u00e4ter im Zusammenwirken mit weiteren Ma\u00dfnahmen zum Tragen kommt. Eingriffe in das Recht auf informationelle Selbstbestimmung k\u00f6nnen deshalb auch dann unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig sein, wenn sie nicht durch ein hinreichend wirksames aufsichtsrechtliches Kontrollregime flankiert sind. Dies hat umso gr\u00f6\u00dferes Gewicht, je weniger eine subjektivrechtliche Kontrolle sichergestellt werden kann.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Die\u00a0 Umgehung der gesetzlich vorgeschriebenen Kontrollmechanismen und sonstigen verfahrensrechtlichen Sicherungen f\u00fchrt also zur materiellen Rechtswidrigkeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der 130. Sitzung des NSA-Untersuchungsausschusses des Deutschen Bundestags am 15.2.2017 ist die Frage angesprochen worden, wie das Fehlen einer im BND-Gesetz vorgesehenen Dateianordnung zu bewerten sei. 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