{"id":133,"date":"2015-03-18T08:30:46","date_gmt":"2015-03-18T08:30:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.eaid-berlin.de\/?p=616"},"modified":"2015-03-18T08:30:46","modified_gmt":"2015-03-18T08:30:46","slug":"spy-barbie-und-die-cebit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kai-wittenburg.de\/?p=133","title":{"rendered":"Spy Barbie und die CeBIT"},"content":{"rendered":"<p>P\u00fcnktlich zur diesj\u00e4hrigen Computermesse CeBIT wird dar\u00fcber <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Datenschutz-WLAN-Barbie-zeichnet-Gespraeche-im-Kinderzimmer-auf-2576510.html\">berichtet<\/a>, dass die Spielzeugfirma Mattel eine neue Version der Barbie-Puppe auf den Markt gebracht hat, mit der man sprechen kann. Die Puppe ist mit einem Mikrophon ausgestattet und kann in das heimische WLAN integriert werden. Die aufgezeichneten Sprachinformationen werden in die Cloud \u00fcbertragen und dort analysiert, damit die Puppe &#8222;sinnvoll&#8220; antworten kann. Technisch \u00e4hnelt die neue WLAN-Barbie dem Prinzip automatischer Sprachassistenten wie SIRI, die sich mittlerweile auf den meisten Smartphones befinden. Neu ist allerdings, wie selbstverst\u00e4ndlich die Firma davon ausgeht, dass diese Technik ins Kinderzimmer geh\u00f6rt. Bestimmt wird es einige M\u00fctter und V\u00e4ter geben, die das Angebot begr\u00fc\u00dfen, denn sie m\u00fcssen sich dann weniger um die Kleinen k\u00fcmmern und k\u00f6nnen die so gewonnene Zeit f\u00fcr sinnvollere T\u00e4tigkeiten &#8211; etwa f\u00fcr bezahlte Fahrten als UBER-Chauffeure &#8211; verwenden. Mit etwas Phantasie lie\u00dfe sich die Puppe noch aufr\u00fcsten: Warum sollte Barbie blind bleiben? Kameraaugen w\u00fcrden hier helfen. Oder wie w\u00e4re es, wenn Barbie darauf achtet, dass die Kinder sch\u00f6n brav sind und ansonsten einen Alarm ausl\u00f6st oder Verst\u00f6\u00dfe selbst &#8211; etwa mit kleinen Stromst\u00f6\u00dfen &#8211; ahndet? All dies w\u00e4re rein technisch heute m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Die Frage ist allerdings, ob es Grenzen f\u00fcr den Technikeinsatz geben und wo sie liegen sollten. Sie stellt sich nicht nur bei der neuen Spielzeugpuppe sondern auch bei vielen anderen Techniken, die im Zuge der Digitalisierung Einzug in unseren Alltag gefunden haben oder finden sollen.  Niemals in der Geschichte der Menschheit hat sich eine Innovation so schnell durchgesetzt wie die Computertechnologie &#8211; nicht einmal 80 Jahre liegen zwischen ihren Anf\u00e4ngen und ihrer umfassenden Durchsetzung.<\/p>\n<p>V\u00f6llig unrealistisch w\u00e4re die Erwartung, dass die informationstechnischen Innovationen aufh\u00f6ren oder sich zumindest verlangsamen werden. Insbesondere die technologische Basis wird sich auch weiterhin autonom entwickeln und sie wird nur sehr schwer zu beeinflussen sein. Was hingegen gesteuert werden kann, ist die Ausgestaltung von Ger\u00e4ten und Diensten und vor allem ihr Einsatz. Wir haben also durchaus mehrere Optionen: <\/p>\n<p>Wenn wir auf \u201eAutopilot\u201c schalten, also den Dingen ihren Lauf lassen, wird die Technik zum bestimmenden Faktor und die Zivilisation wird sich den technischen Prozessen weiter angleichen. Immer leistungsf\u00e4higere, \u201eintelligentere\u201c Technik wird den Menschen aus immer weiteren Feldern verdr\u00e4ngen und in letzter Instanz auch die Steuerung \u00fcbernehmen. In einer solchen computergesteuerten Gesellschaft wird der Mensch mit seinen Unvollkommenheiten zwangsl\u00e4ufig der schw\u00e4chere Teil sein. Die Perspektive w\u00e4re vielleicht ein Upgrade auf den \u201eHuman Body 3.0\u201c, bei dem immer mehr Organe durch chipgesteuerte technische Ger\u00e4te ersetzt werden, wie dies dem Google-Cheftechnologen Ray Kurzweil vorschwebt. Aus den Menschen w\u00fcrden Cyborgs, Mischwesen aus Computer und Mensch, die in einer Gesellschaft leben, in der die wesentlichen Entscheidungen von Computern getroffen werden.<\/p>\n<p>Wir brauchen eine neue Ethik-Debatte dar\u00fcber, wie wir mit der digitalen Revolution umgehen wollen und wo Stopp-Schilder oder zumindest Leitplanken aufgestellt werden m\u00fcssen. Dabei geht es nicht nur um Datenschutz und Privatsph\u00e4re, sondern viel allgemeiner um Selbstbestimmung, Menschenw\u00fcrde und Demokratie. Der &#8222;Autopilot&#8220; ist keine sinnvolle Option!<\/p>\n<p>Ihr<\/p>\n<p>Peter Schaar<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>P&uuml;nktlich zur diesj&auml;hrigen Computermesse CeBIT wird dar&uuml;ber berichtet, dass die Spielzeugfirma Mattel eine neue Version der Barbie-Puppe auf den Markt gebracht hat, mit der man sprechen kann. Die Puppe ist mit einem Mikrophon ausgestattet und kann in das heimische WLAN integriert werden. 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