{"id":1324,"date":"2016-05-03T08:05:06","date_gmt":"2016-05-03T08:05:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.eaid-berlin.de\/?p=1110"},"modified":"2016-05-03T08:05:06","modified_gmt":"2016-05-03T08:05:06","slug":"tag-der-pressefreiheit-publizistischer-landesverrat-fuehrt-zur-abwertung-deutschlands","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kai-wittenburg.de\/?p=1324","title":{"rendered":"Tag der Pressefreiheit: Publizistischer Landesverrat f\u00fchrt zur Abwertung Deutschlands"},"content":{"rendered":"<p>Die\u00a0 UN-Generalversammlung hat in einer am 20. Dezember 1993 verabschiedeten Entschlie\u00dfung den 3. Mai\u00a0 zum \u201einternationalen Tag der Pressefreiheit\u201c\u00a0 erkl\u00e4rt. Bezugspunkt war die \u201e<a href=\"http:\/\/www.unesco.org\/webworld\/fed\/temp\/communication_democracy\/windhoek.htm\">Deklaration von Windhuk<\/a>\u201c der UNESCO, in der \u201edie Schaffung einer unabh\u00e4ngigen pluralistischen und freien Presse\u201c als \u201eEckstein f\u00fcr Demokratie und wirtschaftliche Entwicklung\u201c bezeichnet und gefordert wurde. In ihrer Rangliste der Pressefreiheit\u00a0 f\u00fcr das Jahr 2016\u00a0 hat die Organisation \u201eReporter ohne Grenzen\u201c\u00a0 Deutschland gegen\u00fcber dem Vorjahr um vier Pl\u00e4tze auf Rang 16 herabgestuft. Unser Land wird danach schlechter bewertet als etwa in Finnland (Platz\u00a0 1), Costa Rica ( 6)\u00a0 oder Jamaika (10). Auch wenn Deutschland damit immer noch zu den Staaten geh\u00f6rt, in denen die Pressefreiheit relativ wenig bedroht ist, lohnt\u00a0 sich ein Blick auf die Gr\u00fcnde f\u00fcr die Herabstufung.<\/p>\n<p>Ausschlaggebend daf\u00fcr ist neben \u00dcbergriffen auf Journalisten aus dem\u00a0 militant rechten Milieu die staatliche \u00dcberwachung publizistischer T\u00e4tigkeit. Zu erinnern ist in diesem Zusammenhang vor allem an das Verfahren der Generalbundesanwaltschaft gegen netzpolitik.org wegen vermeintlichen Landesverrats.<\/p>\n<p>Der internationale Tag der Pressefreiheit ist ein guter Anlass, zu fragen, was aus dieser Aff\u00e4re geworden ist, die im Sommer\u00a0 2015 die Gem\u00fcter bewegt hat (vgl. meinen <a href=\"http:\/\/www.eaid-berlin.de\/?p=730\">Blog Post v. 31.7.2015<\/a>). Der Generalbundesanwalt hatte gegen zwei Journalisten, die f\u00fcr den Blog netzpolitik.org schreiben, ein Verfahren wegen Verdachts auf Versto\u00df gegen\u00a0 <a href=\"http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/stgb\/__94.html\">\u00a7 94 Abs. 1 Nr. 2 StGB<\/a>\u00a0 (\u00f6ffentliches Bekanntmachen eines Staatsgeheimnisses &#8211; \u201epublizistischer Landesverrat\u201c) eingeleitet.\u00a0 Ihnen wurde vorgeworfen, vertrauliche Unterlagen aus dem Bundestags Untersuchungsausschuss zur NSA-Aff\u00e4re ver\u00f6ffentlicht zu haben. Angesto\u00dfen wurden die Ermittlungen durch eine Anzeige des Chefs des Bundesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz Maa\u00dfen. Auch wenn sich die Anzeige nicht allein gegen Journalisten richtete, sondern auch oder in erster Linie gegen Bundestagsabgeordnete, <a href=\"https:\/\/correctiv.org\/recherchen\/stories\/2016\/04\/25\/anzeige-netzpolitik-landesverrat-zielte-auf-bundestag\/\">wie der Rechercheverbund correctiv k\u00fcrzlich herausgefunden hat<\/a>, bei denen der Verfassungsschutz eine undichte Stelle vermutete, waren die Blogger doch die einzigen, gegen die schlie\u00dflich ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts des Landesverrats eingeleitet wurde.<\/p>\n<p>Das Verfahren stie\u00df auf breite Kritik in der \u00d6ffentlichkeit. Es erinnerte an Praktiken des wilhelminischen Obrigkeitsstaats und der Weimarer Republik, mit der\u00a0 Keule des\u00a0 angeblichen Staatsverbrechens\u00a0 gegen unliebsame Kritiker vorzugehen.\u00a0 Prominentestes Opfer war der\u00a0 \u2013 sp\u00e4ter mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete \u2013\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Weltb%C3%BChne-Prozess\">Carl von Ossietzky<\/a>, der Herausgeber der \u201eWeltb\u00fchne\u201c, die \u00fcber geheime R\u00fcstungshilfe der Reichswehr berichtet hatte. Auch wenn seither\u00a0 immer wieder \u00fcber die Streichung des \u201epublizistischen Landesverrats\u201c diskutiert wurde, hat sich hier bis heute nichts getan. So sehr es zu begr\u00fc\u00dfen ist, dass das Landesverratsverfahren gegen die Blogger nach Intervention des Bundesjustizministeriums schlie\u00dflich eingestellt wurde, so wenig ist es hinzunehmen, dass die freie journalistische Berichterstattung durch den Landesverratsparagraphen weiterhin bedroht bleibt.<\/p>\n<p>Wenn heute angesichts der Causa B\u00f6hmermann zu Recht dar\u00fcber diskutiert wird, obrigkeitsstaatliche \u00dcberbleibsel wie die \u201eBeleidigung von Organen und Vertretern ausl\u00e4ndischer Staaten\u201c (<a href=\"http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/stgb\/__103.html\">\u00a7 103 StGB<\/a>)\u00a0\u00a0 aus dem Strafgesetzbuch zu streichen, sollte auch die Strafbarkeit des \u201epublizistischen Landesverrats\u201c\u00a0 beseitigt werden, die eine unvergleichlich gef\u00e4hrlichere Keule gegen die Pressefreiheit darstellt.<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen, Peter Schaar<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die&nbsp; UN-Generalversammlung hat in einer am 20. 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